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Sie besetzten und besetzen Schlüsselpositionen in Kirche, Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft: Katholische Akademiker – Priester und Laien – wie Rainer Barzel,
Ernst-Wolfgang Böckenförde, Ernst Elitz, Helmut Kohl oder Joseph Ratzinger.
Diese preisgekrönte Bochumer Dissertation untersucht mit innovativem Zugriff, wie Menschen, die heute zur Elite unserer Gesellschaft gehören, in ihrer Studienzeit durch Kirche und Katholizismus geprägt
worden sind. Sie liefert damit zugleich einen Beitrag zum Verständnis der tiefgreifenden Veränderungsprozesse in Kirche und Gesellschaft vom Kriegsende 1945 bis hin zur Studentenbewegung und ihren
Folgen.
Dabei wird deutlich: Nach den Erfahrungen des Dritten Reiches setzte eine tiefgreifende Neuorientierung im akademischen Katholizismus ein. Der Einzelne sollte befähigt werden, sich aus eigener
Verantwortung in der Gesellschaft für christliche Belange einzusetzen. Gesellschaftliches Engagement erhielt fast religiöse Dignität; Messbesuch, Beichte und Verbandszugehörigkeit verloren ihre primäre
Stellung als Ausweis von »guter« Katholizität.
Vor dem Hintergrund dieser Neuorientierung machte sich bei vielen angesichts der »Restauration« des Katholizismus Ende der 1950er Jahre Enttäuschung breit. Daraus erwuchs eine ständig anschwellende Kritik
an der Kirche, der das exemplarische Beispiel einer Christlichkeit gegenübergestellt wurde, die sich am individuellen Handeln in der Welt bewies. In der Studentenbewegung wurde diese Form der
Christlichkeit von vielen Studierenden ganz aus dem kirchlichen Rahmen gelöst. Dies führte zu zahlreichen Konflikten in Studentengemeinden und Verbänden und der Herausbildung ganz unterschiedlicher
katholischer Identitäten, die z. T. bis heute nachwirken.
Der Autor hat für seine Untersuchung nicht nur umfangreiche Quellenbestände der katholischen Studentengemeinden und Studentenverbände berücksichtigen können, sondern auch zahlreiche Interviews geführt und
Autobiographien ausgewertet, die zu einer anregenden, aktuellen Deutung verarbeitet wurden.
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