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Der Alltag von Katholiken in Deutschland war bis weit in unser Jahrhundert hinein in einem hohen Maß vom Klerus geprägt. Der Autor analysiert und beschreibt diese Symbiose von Klerus und Katholiken am
eindrucksvollen Beispiel des Bistums Münster. Konzentriert auf die zentralen Bemühungen um den Priesternachwuchs und die Ausbildung der Priester ist eine anschaulich erzählte sozialgeschichtliche
Untersuchung entstanden, deren Reiz auch in dem souverän gestalteten Einblick in die Vielfalt des langen Untersuchungszeitraums von der Aufklärung bis in die 1930er Jahre liegt.
Mit der Frage nach den Strukturen und Inhalten der Priesterausbildung und den dabei vermittelten religiösen Gehalten war und ist die Frage nach prägenden Personen und nach dem Wandel des
gesellschaftlichen und kirchlichen Umfelds eng verbunden. Der Verfasser beantwortet solche Fragen nach Auswertung umfangreicher Quellenbestände. Mit einem erstmals erhobenen Datensatz, der
z. B. das familiäre Umfeld, die sozialen Netzwerke und die schulische Vorbildung sämtlicher Priester zwischen 1815 und 1940 sowie wichtige Strukturdaten des Bistums berücksichtigt, bietet die
Untersuchung auch einen innovativen methodischen Zugriff. Schulte-Umberg kann dadurch sehr deutlich machen, wie sich allmählich eine Berufsgruppe entwickelte, in der amtlicher Auftrag und persönliche
Bewährung – Profession und Charisma – eng miteinander verbunden waren. Der Klerus stand dabei nicht zuletzt deshalb im Zentrum der katholischen Lebenswelt, weil seine milieunahe
Herkunft und die Qualität seiner fachlichen Ausbildung ihm eine hohe theologische, soziale und menschliche Kompetenz zuwachsen ließen, die auch die immer wieder notwendige Anpassung an gewandelte
gesellschaftliche und kirchliche Rahmenbedingungen mit einschloß.
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