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Mit der Neugliederung der katholischen Kirche Deutschlands im Gefolge des Wiener Kongresses (1814/15) gingen bedeutende Veränderungen im Bereich der Priesterausbildung einher. Zahlreiche
Bildungseinrichtungen der alten Reichskirche überstanden die Säkularisation nicht, und mancher zuvor rein protestantische Staat sah sich nun mit der Aufgabe konfrontiert, für die Ausbildung des Klerus
seiner neu gewonnenen katholischen Untertanen zu sorgen. Entsprechend der Frankfurter Kirchenpragmatik (1820), die von mehreren, vor allem südwestdeutschen Bundesstaaten getragen wurde, errichtete
der Großherzog von Hessen-Darmstadt an seiner Landesuniversität in Gießen im Jahre 1830 eine Katholisch-Theologische Fakultät, wobei die Funktion des Mainzer Priesterseminars, an dem bis dahin die
theologische Ausbildung erfolgt war, auf die unmittelbare Vorbereitung der Priesterweihe reduziert wurde.
Der Fakultät war aber keine lange Existenz beschieden. 1859 wurde sie de facto aufgelöst, nachdem seit der Eröffnung einer kirchlichen Lehranstalt am Mainzer Priesterseminar durch Bischof Wilhelm
Emmanuel von Ketteler im Jahre 1851 keine Studenten mehr nach Gießen kamen. Diese Entwicklung traf die Fakultät um so härter, als sie sich rasch an der Universität etabliert und entscheidend zu
deren Modernisierung (im Sinne wissenschaftlicher Leistungsfähigkeit) hatte beitragen können. Wirkten in den dreißiger Jahren mit Franz Anton Staudenmaier und Johann Evangelist Kuhn herausragende
Theologen in Gießen, waren die vierziger Jahre durch einen starken Zuwachs an Studenten gekennzeichnet, der über das die Gesamtuniversität in eine Krise stürzende Revolutionsjahr 1848 anhielt. Die
von der Darmstädter Regierung tolerierte Entscheidung Bischof Kettelers gegen Gießen bescherte der Fakultät ein abruptes Ende.
Auf breiter Quellengrundlage schildert der Autor die bewegte Geschichte der Katholisch- Theologischen Fakultät Gießen im Spannungsfeld unterschiedlicher Konzeptionen der Theologenausbildung
(»Tridentinisches Seminar« oder »Staatsfakultät«). Umfassende Veränderungen im Verhältnis von Kirche und Staat bilden den Hintergrund des Geschehens, wobei den Auseinandersetzungen im Gefolge der Wahl
des Gießener Dogmatikers Leopold Schmid zum Bischof von Mainz 1849 ein besonderes Gewicht zukommt. Leben und theologische Leistung der Gießener Professoren werden in umfassenden Biogrammen
vorgestellt, aber auch der soziale Status der Studentenschaft und das Alltagsleben an der Gießener Fakultät erfahren eine intensive Beleuchtung.
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