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Dr. Joseph Wirth zählt zu den umstrittensten Politikern der Weimarer Republik und der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der aus Freiburg stammende Zentrumsabgeordnete, Minister und Reichskanzler
und seine Politik bieten an verschiedenen Stationen seines Lebens bis heute Anlaß zu kontroversen Diskussionen: 1922 wurde beispielsweise unter Wirths Kanzlerschaft der Rapallo-Vertrag mit
Sowjetrußland abgeschlossen. Bis in jüngste Veröffentlichungen hinein ranken sich Legenden über Wirths politischen Standort während der NS-Zeit, seine angeblichen Anbiederungsversuche an das
Hitlerregime, seine angebliche Tätigkeit für diverse Geheimdienste. In den frühen 50er Jahren vertrat Wirth im Gegensatz zu Adenauer die Option eines militärisch neutralen, wiedervereinigten
Deutschlands. Wirths Kontakte zu Ostberlin und Moskau in dieser Zeit haben ihm rasch und dauerhaft nachwirkend den Ruf einer von den Kommunisten geführten Marionette eingebracht.
Die Untersuchung basiert wesentlich auf den umfangreichen Beständen des Nachlasses Wirths im Bundesarchiv Koblenz und in Moskau, die bis 1990 unzugänglich waren, auf Unterlagen aus dem ehemaligen
SED-Archiv und weiteren Archivmaterialien.
Im Licht dieser neuen Quellen kann jetzt ein differenziertes politisches Profil Wirths gezeichnet, können »weiße Flecken« in seiner Biographie erhellt, Legenden widerlegt werden. Wirths Leben zeigt
sich als ein spannendes, von Gegensätzen und Widersprüchen geprägtes Spiegelbild der Zeitgeschichte.
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