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Die Geschichte des Katholizismus im 19. Jahrhundert war ein Dauerkonflikt zwischen »Liberalen« und »Ultramontanen«. Er gewinnt Gestalt in der Biographie des Tübinger Dogmatikers Johannes von Kuhn
(1806–1887). Galt er in den 1830er Jahren als »Kryptoprotestant«, so wurde er im Vormärz auf der politischen Bühne zum »ultramontanen« Vorkämpfer für die Freiheit der Kirche. Theologisch feierte
man ihn jetzt als »neuen Scholastiker«. Kuhn war jedoch nach 1848 nicht bereit, die theologischen Konsequenzen aus dem kirchenpolitischen Sieg seiner Partei zu ziehen.
Seine Gegner denunzierten ihn bei der Inquisition, wurden jedoch enttäuscht: trotz aller Intrigen und der Einschaltung der »Armen Seelen« erhielt Kuhn in Rom einen fairen Prozeß und wurde nicht
verurteilt. Dennoch war Kuhns Rückgrat gebrochen. Er schrieb keine theologische Zeile mehr, schwieg zum Unfehlbarkeitsdogma, das er ablehnte, und suchte sich in Politik und Kultur alternative
Beschäftigungsfelder.
Die vorliegende Studie zeigt den Gelehrten und das spekulative Genie, aber auch Kuhn als Akteur, Statist, graue Eminenz und Opfer auf der (kirchen-)politischen Bühne. Auf der Grundlage neuentdeckter
Quellen öffnen sich überraschende Einblicke in die Theologie- und Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts, die Geschichte des Bistums Rottenburg, der Tübinger Katholisch-Theologischen Fakultät, des
Königreichs Württemberg, der Büros und Kongregationen der Kurie und nicht zuletzt des Katholizismus im 19. Jahrhundert von Rottenburg bis Rom. Erstmals wird ein Inquisitionsprozeß in seinen
Einzelheiten rekonstruiert.
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