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Im Mittelpunkt dieser Studie steht die Frage, was die Bevölkerungsgruppen Deutschlands und Österreichs, die sich zum politischen Katholizismus zählten, den katholischen Tageszeitungen im Jahrzehnt vor
Hitlers Machtergreifung an meinungsbildenden und -beeinflussenden Äußerungen zum Thema »Judentum, Antisemitismus und Rassenfrage« entnehmen konnten und welche Tendenzen diese Aussagen hatten. Ausgehend
von einer repräsentativen Auswahl von Tageszeitungen inner- und außerhalb des Deutschen Reiches, die der Deutschen Zentrumspartei und der Bayerischen Volkspartei nahestanden, sowie von
Tageszeitungen der Christlich-Sozialen Partei Osterreichs, wird ein Gesamtbild erstellt, das nicht nur die spektakulären Ereignisse und ausführlichen Berichte berücksichtigt, sondern auch beiläufige
Äußerungen und das alltägliche Kleingeschehen. Zur Abrundung dieses Bildes und als Gegenkontrolle über die Rezeption der katholischen durch die jüdische Presse sind auch die beiden bedeutendsten
Zeitungen der deutschen Juden in die Untersuchungen einbezogen.
Die katholischen Zeitungen werden nicht nur nach inhaltlichen Kriterien, sondern auch mit Hilfe eines statistisch quantifizierenden Auswertungsschemas analysiert. So kann auch die Häufigkeit einschlägiger
Äußerungen nachgewiesen werden. Hierbei zeigt sich ein unerwartet drastischer Unterschied zwischen Deutschland und Österreich: Während das Thema »Judentum und Antisemitismus« in den deutschen
katholischen Zeitungen nur von marginaler Bedeutung war, spielte es in den österreichischen eine erhebliche Rolle. Die in irgendeiner Form als »antijüdisch« einzustufenden Äußerungen sind in der Presse
des deutschen Katholizismus eine fast zu vernachlässigende Größe, in den österreichischen Zeitungen liegen sie hingegen bei 50 Prozent aller Äußerungen zum Thema. Dieses Ergebnis wird durch die
(Gegen-)Analyse der beiden jüdischen Zeitungen bestätigt.
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