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Die katholische Kirche hat im politischen Leben Westdeutschlands nach 1945 eine erhebliche Rolle gespielt. Sie ging dabei von einer historischen Bestandsaufnahme aus und erklärte das
»Dritte Reich« mit all seinen Ungeheuerlichkeiten als Konsequenz der Abkehr vieler vom Christentum. Der Neubeginn nach 1945 sollte eine Wiederholung des Vergangenen verhindern: folglich hatte
er auf christlichen Werten zu gründen. Dieser Begründung und Zielsetzung entsprachen die katholischen Programme der Nachkriegszeit, die zunächst von den Bischöfen, danach von Laiengremien, kamen und viel
mehr als nur Kirche-Staat-Probleme behandelten, sondern gesamtgesellschaftlich orientiert waren.
Die vorliegende Studie behandelt auf der sicheren Basis primärer Akten die Haltung der katholischen Kirche zum politischen Neuanfang in den westlichen Besatzungszonen. Sie stellt in den Mittelpunkt die
Formen und Ziele der katholischen Einflußnahme auf das Bonner Grundgesetz von 1949 und die nordrhein-westfälische Landesverfassung von 1950 – ein Einfluß, der stärker und
erfolgreicher war, als man bisher meinte. Damit wird ein wichtiger Teil der Vor- und Frühgeschichte der Bundesrepublik Deutschland ereignisgeschichtlich zuverlässig rekonstruiert und in die allgemeine
Entwicklung historisch eingeordnet.
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