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In der vorliegenden Untersuchung wird die soziale und staatsbürgerliche Bildungs- und Schulungsarbeit des Volksvereins für das katholische Deutschland kritisch untersucht und gewürdigt. Dabei konnte
erstmals auch das lange Zeit als verschollen geltende Vereinsarchiv ausgewertet werden.
Am Beispiel des Volksvereins, der bis heute größten katholischen Massenorganisation mit über 800 000 Mitgliedern, läßt sich das enge, wenngleich keineswegs immer konfliktfreie Zusammenwirken von
Verbandskatholizismus, politischem Katholizismus und Episkopat im Wilhelminischen Deutschland aufzeigen. Der durch seine Gründungsväter Franz Brandts, Franz Hitze und Ludwig Windthorst der Weltarbeit
verpflichtete Laienverein stand im Mittelpunkt einer tiefgreifenden innerkatholischen Kontroverse, bei der es um eine Klärung der Auffassungen von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft ging. Der von
Mönchengladbach aus geleitete Volksverein war »Vorschule« und »Ratgeber« der katholischen Vereine. Als größte außerparlamentarische Organisation der deutschen Katholiken suchte er die öffentliche Meinung
für eine christliche Sozialreform zu gewinnen und über seine parlamentarischen Mitglieder Einfluß auf die staatliche Sozialpolitik zu nehmen. Dabei bediente er sich mit Erfolg aller damals verfügbaren
Medien.
Der Volksverein verstand sich als »sozialpolitische Avantgarde« der Zentrumspartei und unterstützte mit den christlichen Gewerkschaften die soziale und staatsbürgerliche Gleichberechtigung der
katholischen Arbeiter. Er forderte die Beseitigung der Bildungsbarrieren als Voraussetzung sozialer Versöhnung, Überwindung des Klassenkampfs, Sicherung des sozialen Friedens und personale Verwirklichung
des mündigen Menschen im politischen und gesellschaftlichen Raum.
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