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Der deutsche Reichskanzler von 1917/18, Georg Graf von Hertling (1843–1919), war eine der großen Persönlichkeiten des katholischen Deutschland im Bismarckschen Kaiserreich. Als
Philosophieprofessor in Bonn und München vertrat er einen in alle Lebensbereiche ausstrahlenden Theismus. Als Gründer (1876) und jahrzehntelanger Präsident der Görres-Gesellschaft repräsentierte er
eine zugleich konservative und moderne Richtung des deutschen Katholizismus. Als Reichstagsabgeordneter der Deutschen Zentrumspartei seit 1875 und schließlich als bayerischer Ministerpräsident
(1912–1917) und als Reichskanzler errang er eine führende politische Stellung in Deutschland.
Bisher gab es keine Biographie dieses bedeutenden Mannes. Der vorliegende Band I behandelt die Jahre 1843 bis 1882. Darin wird mit breiter Einbettung in die geistige und politische
Geschichte des 19. Jahrhunderts der Lebensabschnitt geschildert, in dem Hertling seine Prägung erhielt. So erklärt sich, wie Hertling zu einer führenden Gestalt des deutschen Katholizismus geworden
ist. Die Etappen seines Bildungsweges reichen von der Klassik der Goethezeit, von der sein Elternhaus noch berührt war, bis zu dem nationalen Kulturbewußtsein der Bismarckzeit, das den jungen
Wissenschaftler in die Opposition getrieben hat.
Hertling hat sich früh und kontinuierlich mit den aktuellen Geistesströmungen seiner Zeit auseinandergesetzt. Diese Auseinandersetzungen vermitteln einen perspektivischen Einblick in die Genese der
geistig, sozial und politisch ausgeprägten Großgruppe »deutscher Katholizismus im 19. Jahrhundert«, in die Wandlungen seines Problembewußtseins und Selbstverständnisses. Hertling wendete sich gegen
den Weltanschauungs-Anspruch des Skeptizismus, des Materialismus und des Darwinismus und gegen deren Einfluß auf Staat und Gesellschaft. Diese katholische Abwehr hat wesentlich zur zeitgemäßen
Neugewinnung des christlichen Standorts beigetragen.
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