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Bis 1933 wahrte die Konferenz der bayerischen Bischöfe zu Freising eine selbstbewußte Eigenständigkeit. Sie umfaßte nur ein Drittel des deutschen Episkopats, gewann aber großen Einfluß auf die schweren
Entscheidungen gegenüber dem Nationalsozialismus durch die Autorität ihres Vorsitzenden, des Kardinals Faulhaber. Von seiner Berufung auf den Münchener Erzbischofsstuhl 1917 spannt sich daher der
Bogen der Darstellung bis zur Röhmkrise 1934, wo der hier erstmals geschilderte Versuch zusammenbrach, in Bayern die Revolution durch SA-Sonderkommissare zu institutionalisieren.
Von der labilen Einstellung einiger Oberhirten zur Weimarer Demokratie ausgehend, greift der Bericht über auf die bischöflichen Warnungen vor dem Nationalsozialismus und ihre unzulängliche Resonanz im
Kirchenvolk, um dann ausführlich die dramatische Entwicklung der Krisenmonate nach dem 30. Januar 1933 darzustellen. Mit einer Fülle von Zitaten gesättigt, vermittelt die Studie ein authentisches
Bild der Probleme und Bedrängnisse, die mit dem Vormarsch und der Machtergreifung Hitlers über den Episkopat hereinbrachen. Der Einblick in den internen Meinungsaustausch der bayerischen Bischöfe
erschließt den Innenraum und Wurzelgrund heute hart umstrittener Entschlüsse. In unmittelbarer Fühlung mit dem Denken und Planen der Verantwortlichen nimmt der Leser teil an der Unruhe und dem
Erschrecken, an der Euphorie und der Bekümmerung, an den Illusionen und an den Enttäuschungen, die sie durchliefen, als sie in den Wirbeln des Revolutionsjahres den richtigen Standort suchten.
Volks Untersuchung verdankt ihre Eindringlichkeit und Aussagekraft einem Fundus unerschlossener Dokumente, unter denen amtliche und private Schriftstücke Kardinal Faulhabers einen hervorragenden Platz
einnehmen. Sie zeigen den Münchener Erzbischof in der Stunde unbekannter Begegnungen und einsamer Entschlüsse, beim Führen und beim Zaudern, und ermöglichen damit zum erstenmal eine historisch
überzeugende Charakterskizze dieses Kirchenfürsten. Für ihn ist bezeichnend, wie scharf verschiedentlich die sorgenvolle briefliche Aussprache mit äußerlich optimistischen Bekenntnissen zur
»neuen Ordnung« kontrastiert. Hier wird der Zwang zur verdeckten Meinungsäußerung, die totalitäre Systeme auferlegen, ebenso deutlich wie die unerläßliche Notwendigkeit, bei der rückschauenden
Interpretation bischöflicher Kundgebungen stets die interne Korrespondenz heranzuziehen.
Die selbstkritische Nüchternheit und das erstrangige Quellenmaterial dieses Berichts über die Auseinandersetzung des bayerischen Episkopats mit dem Nationalsozialismus vor und nach 1933 sind
geeignet, die oft leidenschaftliche Diskussion über das tatsächliche und das richtige Verhalten der Katholiken zur NS-Herrschaft und überhaupt zu totalitären Systemen auf die unangreifbare Basis der
Sachlichkeit zurückzuführen.
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