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Der Abschluß des Vertrags von 1929 zwischen dem Freistaat Preußen und dem Heiligen Stuhl bildete eine Sensation. Wer hatte schon erwartet, daß die von der SPD geführte Regierung unter Otto Braun
einem Konkordat zustimmen würde? Selbst Kultusminister C. H. Becker war noch einige Monate vor Vertragsabschluß davon überzeugt, daß das Konkordat im Landtag bestenfalls bei Stimmenthaltung
der SPD durchzubringen sei. Nicht minder überraschte die Zustimmung der Kurie zu einem inhaltlich bescheidenen Konkordatsergebnis, bei dem die Schulfrage ausgeklammert blieb. Wie kam es zum Abschluß
dieses Vertrags?
Die Darstellung geht von den Bestimmungen der Weimarer Reichsverfassung aus, die neue Voraussetzungen für das Verhältnis von Kirche und Staat schufen. Golombek schildert, wie das Reich aus politischen
Gründen bestrebt war, über ein Reichskonkordat Geschlossenheit und Einheit zu demonstrieren. Von diesem Konkordatsstreben wurde der preußische Konkordatswille angeregt. Die Analyse der kirchenpolitischen
Ordnungsvorstellungen der Kirchen und Parteien macht deutlich, daß der Katholizismus mit seinem Streben nach einer konkordatären Regelung allein stand. Die Schilderung der politischen Endphase der
Verhandlungen spiegelt den dramatischen Höhepunkt der Vorgeschichte des Konkordats wider.
Die Darstellung basiert auf bisher unerschlossenen staatlichen Akten und dem Nachlaß des langjährigen preußischen Kultusministers C. H. Becker. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Geschichte
der innenpolitischen Entwicklung der Weimarer Republik. Die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche in den Jahren zwischen 1919 und 1933 bildet aber auch den bisher nicht genügend
gewürdigten Hintergrund für das Verhalten der Kirchen im »Dritten Reich«.
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