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Die katholische Kirche in der DDR war zu kaum einer Zeit stärkerem weltanschaulichen Druck ausgesetzt als während der 1950er Jahre. In der Hochphase des »Kalten Krieges« zielte die kommunistische
Religionspolitik auf die vollständige Verdrängung des Christentums aus dem öffentlichen Leben. Der 1952 eingeläutete systematische »Aufbau des Sozialismus« und die 1954 eingeführte Jugendweihe
stehen stellvertretend für diesen kirchenpolitischen Kurs des SED-Regimes. Zugleich geriet die katholische Kirche mehr oder weniger stark in den Sog der Diktaturkrise des 17. Juni 1953, der
deutschlandpolitischen Spannungen und mit ihnen des weltpolitischen Ost-West-Konflikts. Im Alltag sah sich die kleine konfessionelle Minderheit mit dem mühsamen Aufbau einer durch Vertreibung und Flucht
überstrapazierten Diasporaseelsorge konfrontiert.
Die ostdeutschen Bischöfe richteten in dieser Phase ihr Augenmerk auf die klare weltanschauliche Distanz zum SED-Regime und die Bewahrung der vielfach bedrohten Pfarrseelsorge und Caritas. Sie wurden
dabei vor allem durch stille materielle und finanzielle Hilfen aus der Bundesrepublik Deutschland gestützt. Diese wirkten zusammen mit den öffentlichen Bekenntnissen zur gesamtdeutschen Einheit auf den
Deutschen Katholikentagen einer zunehmenden politischen Abschnürung und menschlichen Entfremdung zwischen Ost und West entgegen, ohne sie allerdings aufhalten zu können. 1952 gelang es trotz aller
Beschwernisse, in Erfurt eine Ausbildungsstätte für den Klerus aufzubauen, die bis heute Bestand hat. Sie wurde zum Mittelpunkt eines kircheneigenen und unabhängigen Bildungsnetzwerkes, das wesentlich
zur Geschlossenheit der katholischen Kirche nicht nur in der Frage der Jugendweihe beitrug.
Die Protokolle, persönlichen Briefe, internen Aufzeichnungen und Berichte aus dem Kreis der ostdeutschen Ordinarien und ihrer engsten Mitarbeiter erschließen die Prozesse kirchenpolitischer Verhandlungen
und Entscheidungen ebenso wie den Alltag katholischer Diasporaseelsorge erstmals in ihrer ganzen Vielfalt und Breite. Die quellenkritische Kommentierung der 347 ausgewählten Dokumente bietet der
historischen Erforschung dieser Zeit eine zuverlässige Basis. Zusammen mit dem bereits vorliegenden, die Geschichte der Jahre 1957 bis 1961 umfassenden Dokumentenbandes ist es künftig möglich, das
Verhalten der katholischen Kirche in der DDR im ersten Jahrzehnt des »Kalten Krieges« bis zum Mauerbau insgesamt in den Blick zu nehmen.
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