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Dieser Band enthält die offiziellen Protokolle von insgesamt 338 Sitzungen der Reichstagsfraktion der Deutschen Zentrumspartei für die Jahre 1920 bis 1925. Sie werden ergänzt um
64 Niederschriften anderer Abgeordneter, darunter auch Protokolle von insgesamt sieben Sitzungen des Fraktionsvorstands. Soweit für eine einzelne Sitzung Aufzeichnungen mehrerer Teilnehmer
überliefert sind, werden sie im Paralleldruck veröffentlicht. Dieses Verfahren ermöglicht höchst aufschlußreiche Vergleiche über Protokollführung und politische Willensbildung. Zusammen mit den
bereits 1969 in dieser Reihe edierten Fraktionsprotokollen der Jahre 1926–1933 ist damit die Reichstagsarbeit des Zentrums für die Zeit der Weimarer Republik geschlossen dokumentiert. Der Wert
einer derart zentralen Quelle ist um so höher zu veranschlagen, als das Archiv der Zentrumspartei, die als Vertretung des politischen Katholizismus und einzige Volkspartei ihrer Zeit eine
Schlüsselstellung im parlamentarischen System einnahm, verloren gegangen ist.
Diese Protokolle vermitteln neue Erkenntnisse auch über Arbeitsweise und Sturz aller neun Koalitionsregierungen zwischen 1920 und 1925, von denen fünf unter Führung der Zentrumspolitiker
Fehrenbach, Wirth und Marx standen. Sie eröffnen Einblick in das Innere einer Partei, der die seit 1919 schwelende Krise um Erzberger ebenso viele Schwierigkeiten verschaffte wie die Diskussion über
die Gründung einer interkonfessionellen christlichen Volkspartei, wie sie vor allem Stegerwald erstrebte. Immer wieder stellte sich die Frage nach Selbstverständnis und sogar Existenzberechtigung des
Zentrums, nachdem die von ihm mitgeschaffene Weimarer Verfassung jahrzehntelange eigene Programmforderungen nach Gewährung von Grund- und Freiheitsrechten verwirklicht hatte.
Neues Licht fällt auf das Ringen um einen Abbau der Reparationen bis hin zum Dawes-Plan, auf die höchst umstrittenen Verträge von Rapallo und Locarno, auf den Kampf um Oberschlesien und gegen
separatistische Strömungen im besetzten Gebiet. Die Folgen des passiven Widerstands im Ruhrkampf und die Vorgeschichte seines Abbruchs werden ebenso dokumentiert wie das Bemühen, die galoppierende
Inflation aufzuhalten oder zumindest deren verheerende Auswirkungen zu mildern, bis mit der Einführung einer neuen Währung im November 1923 neue Probleme auftraten. Wie schwierig es war, einen
republikanischen Kurs durchzuhalten, erwiesen 1925 die Auseinandersetzungen um die Kandidatur des Zentrumsvorsitzenden Marx für das Amt des Reichspräsidenten. Aus den Protokollen ist ferner das
Verhältnis von Partei und wechselnden Regierungskoalitionen wie das Verhalten der Fraktionsmitglieder zu »ihren« Kanzlern und Ministern abzulesen, schließlich auch das Bemühen, unterschiedliche
wirtschaftliche Interessen auszugleichen. Sie bilden damit eine Quelle ersten Ranges für die Erforschung der Anfangs- und Krisenjahre der Weimarer Republik, in denen die Einheit des Reiches wiederholt
gefährdet war.
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