|
Der diplomatische Notenwechsel zwischen dem Hl. Stuhl und der Reichsregierung in den Jahren 1933–1945 wurde – soweit er in Rom vom Päpstlichen Staatssekretariat mit der deutschen
Vatikanbotschaft geführt worden ist – in zwei Bänden 1965 und 1969 veröffentlicht. Der vorliegende dritte Band schließt die Edition mit dem Notenwechsel zwischen dem Apostolischen
Nuntius in Berlin, Cesare Orsenigo, und dem Auswärtigen Amt ab. Dabei wurden neben den Noten im eigentlichen Sinne auch Aufzeichnungen aufgenommen, die anläßlich der Demarchen und Interventionen des
Nuntius von seinen Gesprächspartnern im Auswärtigen Amt angefertigt worden sind, vornehmlich von den Staatssekretären Bülow, Mackensen, Weizsäcker und Steengracht. Die Texte entstammen überwiegend dem
Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Bonn, einige weitere wurden der Vatikanischen Quellenpublikation zum Zweiten Weltkrieg sowie dem Nachlaß Faulhaber entnommen.
Die Edition belegt, daß der Vatikan seine Vorstellungen, Forderungen und Wünsche über die Jahre hinweg in den verschiedensten Bereichen durch den Berliner Nuntius bei der Reichsregierung vertreten ließ.
In den ersten Jahren stehen diejenigen Fragen im Vordergrund, die sich aus der nationalsozialistischen Praxis nach institutioneller und ideologischer Gleichschaltung ergeben. Zentrale Themen des
Kirchenkampfes bilden zentrale Themen der Bemühungen des Nuntius, von der Frage der Fortexistenz der katholischen Organisationen über den Schulkampf und die Auseinandersetzungen mit einem
völkisch-rassistisch bestimmten Neuheidentum bis zum Problem der Politischen Klausel des Reichskonkordats. Mit der seit 1938 einsetzenden deutschen territorialen Expansion wird von
nationalsozialistischer Seite begonnen, in den neuen Reichsgebieten, die als Erprobungsfeld neuer Formen gelten, die Kirche ohne die Fessel des Reichskonkordats auf den Status eines privaten Vereins
herabzudrücken, mit allen Folgen, die sich daraus ergeben müssen.
Während des Krieges erhält der Nuntius neue Tätigkeitsfelder: Realisierung der päpstlichen Friedensbemühungen und der vatikanischen karitativen Dienste, Kriegsgefangenenfragen, religiöse Betreuung von
Fremdarbeitern, Interventionen für Inhaftierte und zum Tode Verurteilte in den deutschen Besatzungsgebieten, insbesondere in Polen, Belgien und Frankreich, und schließlich auch Fürsprache für verfolgte
Juden. Den wichtigsten und zeitlich aufwendigsten Problembereich jedoch bildet während des Krieges das Schicksal der Kirche im deutschbesetzten Polen. Es geht um das Schicksal der polnischen Bischöfe, um
die vielen ins Konzentrationslager verbrachten polnischen Priester, die Gewährleistung der Seelsorge, um karitative Hilfe für die polnische Bevölkerung, um die religiöse Betreuung der polnischen Arbeiter
im Reich. Insgesamt dokumentiert die Edition mit großer Eindringlichkeit die jahrelangen vatikanischen Bemühungen um die Fortexistenz der Kirche und ein humaneres Dasein der Menschen im deutschen
Machtbereich sowie die unendlichen Widerstände, die sich diesen Anstrengungen entgegensetzten.
|