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Schon als Bischof von Speyer (1911–1917) eine herausragende Erscheinung, wurde Michael von Faulhaber (1869–1952), als Erzbischof von München und Freising nach dem Ersten Weltkrieg und in
der NS-Zeit in den Schnittpunkt wichtiger kirchenpolitischer Entscheidungen gerückt, zu einer beherrschenden Gestalt im deutschen Episkopat dieses Jahrhunderts. An der Spitze der Freisinger
Bischofskonferenz durchbrach er kraft seines Amtes den bloß diözesanen Rahmen, doch erst sein Ruf als Prediger mit dem Mut zu ebenso einprägsamen wie unerschrockenen Bekenntnissen verschafften ihm über
Bayerns Grenzen hinaus Gehör und Widerspruch. Der Maxime verpflichtet, die vox Dei in tempore vernehmbar zu machen, hat Faulhaber zu einer Vielzahl von Zeitproblemen immer wieder dezidiert und aus
einer ungebrochenen Glaubensüberzeugung heraus das Wort ergriffen.
Rund um die Protokolle der Freisinger Bischofsberatungen gruppiert, beleuchten in einem ersten Band über 450 größtenteils unveröffentlichte Dokumente aus den Handakten des Münchener Erzbischofs
(1917–1952) mit Schwerpunkt auf den Staat-Kirche-Beziehungen das überdiözesane Wirken Faulhabers zwischen 1917 und 1934. Die Auswahl, in die auch zahlreiche Gegenäußerungen der Adressaten
einbezogen sind, schöpft aus der amtlichen Korrespondenz des Kardinals mit den Päpsten Benedikt XV. und Pius XI., mit Nuntius Pacelli, dem bayerischen Episkopat, dem Vorsitzenden der
Fuldaer Bischofskonferenz, Mitbischöfen aus dem In- und Ausland, der bayerischen Staatsregierung, katholischen Verbandsführern, Publizisten und Politikern. In diesen Quellenzeugnissen spiegelt sich das
vielgestaltige Wirken des Münchener Kardinals in einem Geschichtsabschnitt, dessen politische Bewegtheit die Umbruchsjahre 1918 und 1933 eindringlich unterstreichen. Sie beginnen mit Faulhabers
Aktivität als bayerischer Feldpropst, dokumentieren sein Mühen um eine Neuorientierung nach der Revolution und den schmerzenden Abschied von der Monarchie, den Zusammenstoß des Kardinals mit Konrad
Adenauer auf dem Katholikentag 1922, die Vorverhandlungen zum Bayerischen Konkordat von 1924, den Versuch, auf Bischofsebene die Kriegsgegensätze zu übersteigen, bis hin zu der klaren
Abgrenzung gegen die Weltanschauung des Nationalsozialismus 1931. Auf die trotzdem nicht abzuwendende Eroberung der Regierungsmacht durch Adolf Hitler folgen nach Monaten skeptischer Hoffnung die
ersten Zusammenstöße mit dem kirchenfeindlichen NS-Staat.
Für die Kirchengeschichte Bayerns und Deutschlands bildet diese Quellenedition eine Fundgrube erster Ordnung.
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