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Mit einem dichten Netz von Vertrauensleuten überwachte der Sicherheitsdienst (SD) der SS im nationalsozialistischen Deutschland alle Lebensbereiche. Neben Marxisten, Juden und Freimaurern galt
seine besondere Aufmerksamkeit den christlichen Kirchen. Die Ergebnisse der Ermittlungen aus dem ganzen Reich und den eingegliederten Gebieten wurden im SD-Hauptamt und später im
Reichssicherheitshauptamt zu Berichten verarbeitet, die einem kleinen Kreis hoher Funktionäre zugänglich waren. Aus den 11 Jahren von 1934 bis 1944 ist ein erheblicher Teil dieser Berichte
im Bundesarchiv Koblenz überliefert. Soweit sie sich auf die beiden Kirchen, ihre Glieder und Organisationen beziehen, sind sie in diesem Band im vollen Wortlaut veröffentlicht, außerdem aus den
Jahren 1941 bis 1944 die entsprechenden Abschnitte der »Meldungen wichtiger staatspolizeilicher Ereignisse« der Gestapo.
Die Berichte berücksichtigen alle Bereiche des kirchlichen Lebens, von Episkopat und Kirchenleitung bis herab zur Dorfgemeinde, und sämtliche Arten christlich bestimmter Äußerungen, vom Hirtenbrief und
die besonders zahlreich zitierten Predigten bis zum vertraulichen Gespräch unter Wallfahrern. Sie machen deutlich, wie die den Kirchen zunächst noch gebotenen Betätigungsmöglichkeiten, die in einer Fülle
konfessioneller Verbände und einer Vielzahl von Veröffentlichungen zum Ausdruck kamen, allmählich verringert wurden. Die einzelnen Etappen der Auseinandersetzung zwischen Christentum und
Nationalsozialismus auf den verschiedenen Ebenen werden so erkennbar. Es ergibt sich daraus, daß die Kirchen nicht nur auf die Gefolgschaft eines kleinen Prozentsatzes von Geistlichen und praktizierenden
Christen rechnen konnten, sondern daß sie eine breite Basis im Volk hatten und es fast überall in Deutschland eine religiös fundierte Volksopposition gab, in der der aktive Widerstand einzelner einen
Rückhalt fand.
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