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Der Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Erfurt beabsichtigt in Kooperation mit der Kommission für Zeitgeschichte in Bonn auf der Basis von § 96 BVFG die Archivbestände »Königstein«, die sich im Archiv der Kommission für Zeitgeschichte befinden, hinsichtlich biografischer Informationen systematisch auszuwerten und die gewonnenen Personalinformationen zu geschätzten 2.200 vertriebenen Klerikern und Laien in eine bereits im Aufbau befindliche Datenplattform zu integrieren.
Ziel ist es, am Ende der Projektlaufzeit 2012 semantisch vernetzte Rohbiogramme (»digitale Visitenkarten«) bereitzustellen, die als Basis für die Weiterbearbeitung zu biografisch-bibliografischen
Lexikonartikeln in dem von der Kommission für Zeitgeschichte langfristig geplanten Online-Lexikon »Das katholische Deutschland seit 1800« dienen.
Bei dem 89 lfde. Meter umfassenden Archivbestand »Königstein« handelt es sich um eine Überlieferung des
Albertus-Magnus-Kollegs Königstein e. V., um Akten der Philosophisch-Theologischen Hochschule, Königstein sowie Akten aus der Tätigkeit des Vertriebenenbischofs Heinrich Maria Janssen, Hildesheim.
Erläuterung
Im Oktober 1946 gab der vertriebene ermländische Bischof Maximilian Kaller dem späteren Leiter der »Königsteiner Anstalten«, Adolf Kindermann, den Auftrag, ein Priesterreferat
auf- und auszubauen, dessen Aufgabe die Erfassung der heimatvertriebenen Priester, die Verteilung und Betreuung des Vertriebenenklerus, wie die Sorge um den Priesternachwuchs sein sollten. Im Februar
1947 wurde die Einrichtung eines philosophischen Kurses für Theologen aus den Ostgebieten beschlossen. Im Sommer 1947 wurde das erste Semester in Königstein mit über 50 Studenten eröffnet, im
Dezember 1947 kam das »Albertus-Magnus-Kolleg« als Schülerkonvikt hinzu und im April 1949 wurde die Philosophisch-Theologische Hochschule in Königstein eingeweiht.
Der Hildesheimer Bischof Janssen fungierte in Personalunion von September 1957 bis 1983 als der Beauftragte der deutschen Bischöfe für die Vertriebenenseelsorge in Königstein.
Die Teilung Deutschlands beeinflusste auch die Frage der Priesterausbildung. Als die Regierung der DDR im Oktober 1951 die Rückkehr der in Königstein ausgebildeten Seminaristen untersagte, stellte
sich verstärkt die Frage nach einer eigenen kirchlichen Ausbildungsstätte in der DDR. Die Überlegung, eine theologische Fakultät zu gründen, wurde bald wieder fallengelassen. Die Verantwortlichen
beschlossen im Dezember 1951 den Aufbau eines Regionalseminars.
Im August 1952 stimmte die DDR der Gründung des Katholischen Priesterseminars Erfurt (Theologisch-Philosophisches Studium) zu, an das eine Reihe von Dozenten von Königstein wechselten.
Die geplante Auswertung der Königsteiner Archivbestände durch die Universität Erfurt und die Kommission für Zeitgeschichte, Bonn, setzt insofern eine Verbindung fort, die zwischen Königstein und Erfurt in
der Vergangenheit bereits realiter bestanden hat.
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