Fremdarbeiter III/IV
Kommission für Zeitgeschichte, Forschungsstelle Bonn

Kommission für Zeitgeschichte

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II. Impulse für die Forschung

1) Forschungsstand[43]

Wir bewegen wir uns dabei auch deshalb auf »schmalem Pfad«, weil – vergleichbar mit der allgemeinen Zeitgeschichtsforschung – auch in der Katholizismusforschung und in der evangelischen Zeitgeschichtsforschung seit den 1960er Jahren das Interesse zunächst den Entstehungszusammenhängen und den Friedensjahren des Dritten Reiches gegolten hat und weniger den Kriegsjahren. Bezogen auf die Frage der Zwangsarbeiter in kirchlichen Einrichtungen war Hans-Michael Körners 1992 publizierter Aufsatz über die Seelsorge an polnischen Zwangsarbeitern[44], der sich vor allem auf edierte Quellen des Sicherheitsdienstes[45], des Heiligen Stuhles[46] und des deutschen Episkopats[47] stützte, eine der wenigen Ausnahmen[48], bis sich 1999 Markus Eikel mit der seelsorglichen Betreuung französischer Kriegsgefangener durch französische Geheimpriester und Tausende katholischer Laien im Rahmen der Action Catholique en Allemagne befaßte.[49] Von Kardinal Suhard (Paris) organisiert und unterstützt von vatikanischen Stellen lebten während des Weltkriegs 300 französische Arbeiterpriester und 10.000 französische Laien der Katholischen Aktion unter den 700.000 französischen Arbeitern, die auf über 22.000 Lager im Deutschen Reich verteilt waren. Henri Perrin hat über seine damaligen Erfahrungen in der Kriegsgefangenen- und Zivilarbeiterseelsorge ein sehr bemerkenswertes Tagebuch verfaßt.[50]

Inzwischen gibt es weitere Erkenntnisse über ähnliche Bemühungen aus den Niederlanden – z. B. die Miarka-Bewegung in der Berliner St. Pius-Gemeinde[51] – und erste Quellen zu polnischen Geheimpriestern, die in der Landwirtschaft tätig waren.[52]

Die biographische Dokumentation »Priester unter Hitlers Terror«, die die Kommission für Zeitgeschichte erstmals 1984, inzwischen in 4. Auflage, veröffentlichte, weist 547 deutsche Priester nach, die wegen Ausländerseelsorge mit dem Regime in Konflikt gerieten. Die gegen diese Seelsorger ergriffenen Maßnahmen reichten von Verhören über Ausweisung, teilweise hohe Geldstrafen bis zu Freiheitsstrafen und Einweisung in ein Konzentrationslager. 46 deutsche Priester (11% aller KZ-Fälle) sind u. a. mit dem Vorwurf der Ausländerseelsorge ins KZ eingeliefert worden, 11 davon sind im Konzentrationslager umgekommen.[53]

Fragt man nach allgemeinen wissenschaftlichen Untersuchungen zur katholischen Kirche im Zweiten Weltkrieg, ist die Forschungslage auf den ersten Blick besser. Verschiedene Arbeiten von Ulrich von Hehl, Heinz Hürten, Antonia Leugers, Konrad Repgen, Ludwig Volk und anderen analysieren mit kirchenpolitischem Schwerpunkt und zeitlich vor allem für die ersten Kriegsjahre Aktionen und Reaktionen von Bischöfen, Klerus und Kirchenvolk.[54] Über die caritative Unterstützung, die Hilfen zur Auswanderung oder zur Flucht für sogenannte katholische Nichtarier liegen vornehmlich biographisch angelegte Untersuchungen zu Gertrud Luckner, Gräfin Magnis und Margarete Sommer vor.[55] Nachgewiesen ist inzwischen auch der große Einfluß, den einzelne Katholiken auf die Arbeit und Konzeptionen verschiedener Widerstandskreise hatten.[56] Nachdem Hans Günter Hockerts schon in den siebziger und frühen achtziger Jahren die nationalsozialistische Kirchenpolitik und Herrschaftstechnik untersucht hat[57], erscheint jetzt kurz nach einer Veröffentlichung über das Reichskirchenministerium[58] die Studie von Wolfgang Dierker über die Kirchenpolitik des SD: »Himmlers Glaubenskrieger«[59].

Zusammengefaßt und zugespitzt belegen die bisherigen Forschungsergebnisse,
– wie sehr sich die katholische Kirche auch und gerade unter den Bedingungen des Krieges massiver Repressionen der kirchenfeindlichen NS-Diktatur zu erwehren hatte, und wie schwer sie sich damit tat, unter diesen Bedingungen nicht mehr nur die kirchlichen Freiheiten zu verteidigen, sondern offensiv als Anwalt allgemeiner Menschenrechte aufzutreten, und,
– daß die Katholiken eine gesellschaftliche Großgruppe mit gewachsener Staatsloyalität waren; trotz Selbstbehauptung, Resistenz und Widerstand erwuchs dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat in dem katholischen Bevölkerungsdrittel letztlich keine systembedrohliche Konkurrenz.

Forschungen, die nicht das Gegenüber von Kirche und Nationalsozialismus, sondern die Gemengelage ihrer Einbindung in die nationalsozialistische Gesellschaft vor allem in den Kriegsjahren beschreiben, sind in wichtigen Fragen noch zu leisten. Der Zweite Weltkrieg steht mittlerweile im Zentrum des Interesses der NS-Forschung, der gesellschaftsgeschichtliche Zugriff bestimmt die aktuellen Kontroversen.[60] Bei allen medialen Großereignissen – Schindlers Liste (1992), Victor Klemperers »Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933–1945« (1995), in der Ausstellung »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944« (1995) oder Daniel Goldhagens »Willigen Vollstreckern« (1996) – standen die Frage nach der alltäglichen gesellschaftlichen Akzeptanz des nationalsozialistischen Herrschaftssystems und die Frage nach den gesellschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen und Wirkungen kriegerischer Gewalt im Mittelpunkt.

Eine so verstandene umfassende gesellschaftsgeschichtliche Erforschung der katholischen Kirche im Zweiten Weltkrieg – zu der dann als ein Teilaspekt auch die Geschichte der Zwangsarbeiter in kirchlichen Einrichtungen gehört – steht aus.

2) Die Recherche nach Zwangsarbeitern

Damit zeichnen sich die Umrisse umfangreicher Feldstudien ab. Beginnen wir noch einmal mit den Zwangsarbeitern: Eine Untersuchung der in katholischen Einrichtungen beschäftigten Zivilarbeiter und Kriegsgefangenen muß zunächst eine präzise Klärung terminologischer Fragen leisten: Wer ist ein »Zwangsarbeiter«? und wann ist er ein »katholischer« Zwangsarbeiter?; es ist z. B. schon wichtig, nach dem bisherigen Stand der Forschungen feststellen zu können, daß in katholischen Einrichtungen ausschließlich Kriegsgefangene oder ausländische Zivilarbeiter tätig gewesen sind und keine Zwangsarbeiter der Kategorien KZ-Häftlinge, Strafgefangene oder »Arbeitsjuden«.[61]

Für die Zurechnung eines Zwangsarbeiters zu einer katholischen Einrichtung – zu einem Kloster z. B. – spielen die Rechts- und Eigentumsverhältnisse eine wichtige Rolle. Es muß deshalb in jedem Einzelfall zunächst festgestellt werden, wer zu welchem Zeitpunkt in einer Einrichtung die Entscheidungsbefugnis hatte.

Weiter geht es um die Begründungen und den Umfang der Beschäftigung – wer forderte warum wie viele Zwangsarbeiter an? – , die Beschreibung des Alltags, die Behandlung, die Entlohnung, die Besteuerung und damit zusammenhängend die Profitfrage.

Wo und wie haben sich die katholischen Einrichtungen in der Behandlung der Zwangsarbeiter von anderen unterschieden? – ist eine Frage, die vor allem im Blick auf überwiegend katholische Regionen interessant erscheint. Wie reagierten Kirche und Klerus z. B. gegenüber einer allgemein konstatierten Radikalisierung des Umgangs mit Zwangarbeitern »vor Ort«?[62]

Die Untersuchung muß sich dabei auf das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 erstrecken, muß also auch die nicht unerhebliche Zahl kirchlicher Einrichtungen in Schlesien, Pommern und Ostpreußen berücksichtigen.[63]

Die große Gruppe der Kriegsgefangenen, die in kirchlichen Einrichtungen völkerrechtlichen Vereinbarungen entsprechend zur Arbeit in der Landwirtschaft herangezogen wurden, hat keinen Anspruch auf finanzielle Entschädigung; für eine wissenschaftliche Untersuchung spielt diese Unterscheidung aber keine Rolle.

Die Rekrutierung ausländischer Arbeitskräfte war kein punktuell angeordneter Vorgang, sondern ein fließender Prozeß, an dessen Ende erst die millionenfache gewaltsame Verschleppung vor allem polnischer und sowjetischer Männer und Frauen stand. Konsequenterweise wird man darum den Untersuchungszeitraum über das Jahr 1939 zurück und über das Jahr 1945 hinaus auf das Schicksal der Displaced persons ausdehnen müssen.

Schließlich ist der Blickwinkel international zu weiten und danach zu fragen, wie sich die einheimische katholische Kirche in den von Deutschen besetzten Gebieten – vornehmlich in Polen, aber auch in Frankreich, in Belgien, den Niederlanden oder Italien – zu der Zwangsrekrutierung ihrer Bevölkerung stellte.

3) Kirche im Krieg

Das zweite Beispiel »NS-Gesellschaft und katholische Kirche im Krieg« umschließt gleichsam den ersten Komplex, weil es auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die kirchlichen Handlungsspielräume abhebt, und erweitert dadurch die spezielle Sicht nur auf die Zwangsarbeiterfrage. Die Kernfrage nach der Funktion, die die katholische Kirche in der mobilisierten deutschen Kriegsgesellschaft erfüllte, greift jene bereits genannten Impulse auf, die von einer sozial- und mentalitätsgeschichtlich orientierten Erforschung des Zweiten Weltkrieges ausgehen.

Daß kirchliche Einrichtungen spätestens seit Kriegsbeginn personell und wirtschaftlich durch den Staat beansprucht wurden (z. B. zu Lazarett-Zwecken) war rechtlich geregelt und stand in einer zumindest bis zum Ersten Weltkrieg zurückreichenden Tradition. Ähnliches trifft für den Sanitätsdienst von Kaplänen, Ordensleuten und Theologiestudenten zu; das Reichskonkordat enthält zu dieser Frage ein geheimes Zusatzabkommen.[64]

Fragen wie: Wann, wo und in welchem Umfang Wehrmacht, Volksdeutsche Mittelstelle oder Gestapo beispielsweise auf Häuser und Einrichtungen der katholischen Kirche zurückgriffen, wie sie dabei miteinander konkurrierten oder kooperierten, führen unmittelbar in die bislang noch weitgehend unbekannte Finanz- und Wirtschaftsgeschichte der katholischen Kirche zwischen 1939 und 1945.[65] Welchen Beitrag leistete die katholische Kirche personell, materiell und finanziell in diesen Jahren? In welchem Umfang schränkte gleichzeitig der Staat den finanziellen Bewegungsspielraum der Kirche ein und versuchte so, einen zentralen Teil seiner religionspolitischen Langzeitplanung umzusetzen, wann immer es die Umstände opportun erscheinen ließen?[66]

Die Frage, ob und inwieweit zeitgenössische Ideologien in die katholische Deutungskultur eindrangen und sich mit ihr verbanden, ist umstritten, aber weder im Blick auf die integrative Bedeutung des Antibolschewismus oder das Gewicht, das der Nationalgedanke und der Nationalismus besaßen, ausreichend untersucht.[67] Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch daran, daß Olaf Blaschke seine bereits für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg überzogene These vom Antisemitismus als einem wichtigen Bestandteil katholischer Deutungskultur inzwischen ungeprüft bis zum Holocaust verlängert hat.[68]

Mit Fragen nach der moralischen Differenz der katholischen Deutungskultur zum nationalsozialistischen System lenken wir den Blick auch auf die innere Entwicklung des katholischen Milieus. Bisher herrscht die Auffassung vor, im Zeitraum zwischen Stalingrad und Währungsreform habe ein hohes Maß an Kontinuität im katholischen Milieu bestanden. Inwieweit sich das Dritte Reich und hier vor allem die Kriegsjahre als eine Phase erweisen, in der sich das katholische Milieu einerseits verdichtet, gleichzeitig aber bereits spürbar zu erodieren beginnt, ist nicht nur im Blick auf das Modernisierungsparadigma eine spannende Frage. Daß die kriegsbedingte Mobilisierung der deutschen Gesellschaft und die durch Krieg und Niederlage erzwungene Migration von Millionen Deutschen – von der Stadt auf das Land, von Ost nach West und in umgekehrter Richtung – diesen Erosionsprozeß maßgeblich beeinflußten, ist zu vermuten, aber noch nicht erforscht. Für die bischöfliche Initiative der von Maximilian Kaller geleiteten »Wandernden Kirche« hat eine systematische Quellensammlung gerade erst begonnen.[69]

Ertragreich dürfte in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf die Sowjetische Besatzungszone und die frühe DDR sein, wo die Flüchtlingsbewegung aus dem Osten überhaupt erst dazu geführt hat, daß sich so etwas wie Strukturen einer katholischen Subgesellschaft in protestantischen Kernlanden ausbildeten.[70]

Wir wissen bis heute auch wenig über die Tätigkeit caritativer Wohlfahrtsorganisationen und vor allem der weiblichen Ordenskongregationen. Dabei waren von den etwa 100.000 Schwestern und Novizinnen in weiblichen Orden fast 70% (ca. 70.000) als Pflegepersonal in Wehrmachtslazaretten oder in der Gesundheitsfürsorge in der Heimat eingesetzt. In der Verwendung von Frauen für den »Kriegseinsatz« kam den Ordens- und Diakonie-Schwestern ein großer Stellenwert zu.

In den Zusammenhang ›Ordensgeschichte‹ gehört auch die Frage nach dem sogenannten »Klostersturm«, von dem in der Diskussion um die Zwangsarbeiter häufiger die Rede ist. Bekanntlich wurden 1941/42 mehr als 120 Klöster durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt und entschädigungslos enteignet. Damit aber endet bereits unser historisch gesichertes Wissen. Wann und wo die Gewaltmaßnahmen einsetzten und mehr noch, wie sich das Schicksal der Klöster bis zur Rückgabe des Eigentums nach 1945 fortsetzte, ist bisher nur in einzelnen Fällen bekannt.[71]

Unmittelbar auf das Thema »Krieg« bezogen sind weiter die katholische Militärseelsorge, die umstrittene Gestalt des Feldbischofs Franz Justus Rarkowski, die Geschichte der Priestersoldaten oder die Rolle der zeitgenössischen Theologen näher zu untersuchen.[72]

Eine Kollektivbiographie der in Dachau inhaftierten Geistlichen aus ganz Europa ist ebenso ein Desiderat wie eine systematische Studie über jene Geistlichen, die mit dem Regime in irgendeiner Form sympathisierten.[73]

Eine Geschichte der katholischen Kirche im Zweiten Weltkrieg kann schließlich die internationale Perspektive sowie insbesondere die Rolle Papst Pius XII. nicht unberücksichtigt lassen. Die jüngste Debatte um den »Papst, der geschwiegen hat«[74] und die Konfliktgeschichte um die jüdisch-katholische Expertenkommission[75] zeigen, wie umstritten nach wie vor gerade die Kriegsjahre seine Pontifikats sind.[76] Eine Biographie Pius XII. wird auf absehbare Zeit nicht geschrieben werden können. Eine diplomatiegeschichtliche Studie über diesen Papst und seine Wirkungsgeschichte auf der Grundlage der jetzt schon verfügbaren Quellen ist dennoch eine vordringliche Forschungsaufgabe.[77]


[43] Vgl. zum folgenden das ähnliche Referat des Verfassers auf der Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart am 10./11. Februar 2001, in: Barwig, Bauer, Hummel (Anm. 9), S. 257–270.

[44] Hans-Michael Körner, Katholische Kirche und polnische Zwangsarbeiter 1939–1945, in: Historisches Jahrbuch 112 (1992), S. 128–142.

Siehe auch ders., Pragmatische Nichtanpassung und Religiosität. Die katholische Kirche und die polnischen Zwangsarbeiter im nationalsozialistischen Deutschland, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. August 2000.

[45] Heinz Boberach, Berichte des SD und der Gestapo über Kirchen und Kirchenvolk in Deutschland 1934–1944, Mainz 1971.

[46] Actes et documents du Saint Siège relatifs à la Seconde Guerre Mondiale, hrsg. von Pierre Blet, Angelo Martini und Burkhart Schneider, 11 Bde., Città del Vaticano 1965–1981.

[47] Ludwig Volk (Bearb.), Akten deutscher Bischöfe zur Lage der Kirche 1933–1945, Bd . V: 1940–1942, Bd. VI: 1943–1945, Mainz 1983, 1985.

Siehe außerdem die polnische Edition der Documenta occupationis teutonicae, Bd. 9: Polozenie Polskich Robotnikow Przymusowych W Rzeszy 1935–1945, Poznan 1975.

[48] Vgl. auch: Das Bistum Hildesheim 1933–1945. Eine Dokumentation, hrsg. v. Hermann Engfer (Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart 37/38, 1970/71), Hildesheim 1971, S. 383–456.

[49] Markus Eikel, Französische Katholiken im Dritten Reich. Die religiöse Betreuung der französischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter 1940–1945, Freiburg i. Br. 1999.

Ders., Die katholische Kirche Frankreichs und die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, in: Stefan Martens, Maurice Vaïsse (Hrsg.), Frankreich und Deutschland im Krieg (November 1942 – Herbst 1944). Okkupation, Kollaboration, Résistance. Akten des deutsch-französischen Kolloquiums. Paris, 22. und 23. März 1999, S. 399–418.

[50] Tagebuch eines Arbeiterpriesters. Aufzeichnungen von Henri Perrin 1943/44, München 1955 (Franz. Originalausgabe Paris 1945).

[51] Vgl. Wolfgang Knauft, Schnitter, KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter: Vergessene Kapitel der Seelsorge im Bistum Berlin, Berlin 2001, S. 99–118.

Jan Roes (Nijmegen) verdanke ich den Hinweis, daß eine ganze Reihe von Studenten der Katholischen Universität Nijmegen als Zwangsarbeiter in Deutschland arbeiteten, als ihre Universität 1943 geschlossen wurde.

[52] Rudolf Jakubek, Bericht über meine geheime Tätigkeit. Als Seelsorger unter den polnischen Arbeitern in Deutschland in den Jahren 1944/1945, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1993, hrsg. v. Heimatbund für das Oldenburger Münsterland, Vechta 1993, S. 147–168.

Peter Sieve, Die katholische Kirche und die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs im Oldenburger Land. Ein Zwischenbericht, Vechta 2000.

[53] Ulrich von Hehl, Christoph Kösters (Bearb.), Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung, 2 Bde., Paderborn 41998.

[54] Vgl. dazu z. B. die Forschungsberichte von Ulrich von Hehl und Karl-Egon Lönne:

– Ulrich von Hehl, Kirche, Katholizismus und das nationalsozialistische Deutschland. Ein Forschungsüberblick, in: Dieter Albrecht (Hrsg.), Katholische Kirche im Dritten Reich. Eine Aufsatzsammlung, Mainz 1976, S. 219–251.

– Ders., Kirche und Nationalsozialismus. Ein Forschungsbericht, in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 2 (1983), S. 11–29.

– Ders., Die Kirchen in der NS-Diktatur, in: Karl Dietrich Bracher, Manfred Funke, Hans-Adolf Jakobsen (Hrsg.), Deutschland 1933–1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bonn 21993, S. 153–181.

– Karl-Egon Lönne, Katholizismus-Forschung, in: Geschichte und Gesellschaft 26 (2000), S. 128–170.

Siehe auch Benjamin Ziemann, Der deutsche Katholizismus im späten 19. und im 20. Jahrhundert. Forschungstendenzen auf dem Weg zu sozialgeschichtlicher Fundierung und Erweiterung, in: Archiv für Sozialgeschichte 40 (2000), S. 402–422; Klaus Gotto, Konrad Repgen (Hrsg.), Die Katholiken und das Dritte Reich, Mainz 31980; Heinz Hürten, Deutsche Katholiken 1918 bis 1945, Paderborn 1992; Antonia Leugers, Gegen eine Mauer bischöflichen Schweigens. Der Ausschuß für Ordensangelegenheiten und seine Widerstandskonzeption 1941 bis 1945, Frankfurt am Main 1996; Konrad Repgen, Die deutschen Bischöfe und der Zweite Weltkrieg, in: Historisches Jahrbuch 115 (1995), S. 411–451; Ludwig Volk, Katholische Kirche und Nationalsozialismus. Ausgewählte Aufsätze, hrsg. v. Dieter Albrecht, Mainz 1987.

[55] Vgl. Lutz-Eugen Reutter, Die Hilfstätigkeit katholischer Organisationen und kirchlicher Stellen für die im nationalsozialistischen Deutschland Verfolgten, Hamburg 21970; Hans-Josef Wollasch (Bearb.), »Betrifft: Nachrichtenzentrale des Erzbischofs Gröber in Freiburg«. Die Ermittlungsakten gegen Gertrud Luckner 1942–1944, Konstanz 1999; Jana Leichsenring, Gabriele Gräfin Magnis. Sonderbeauftragte Kardinal Bertrams für die Betreuung katholischer »Nichtarier« Oberschlesiens, Stuttgart 2000; Heinrich Herzberg, Dienst am höheren Gesetz. Dr. Margarete Sommer und das »Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin«, Berlin 2000.

[56] Vgl. Antonia Leugers, Georg Angermaier 1913–1945. Katholischer Jurist zwischen nationalsozialistischem Regime und Kirche. Lebensbild und Tagebücher, Mainz 1994; Roman Bleistein, Augustinus Rösch. Leben im Widerstand. Biographie und Dokumente, Frankfurt a. M. 1998; Michael Pope, Alfred Delp S.J. im Kreisauer Kreis. Die rechts- und sozialphilosophischen Grundlagen in seinen Konzeptionen für eine Neuordnung Deutschlands, Mainz 1994; Barbara Schüler, »Im Geiste der Gemordeten ...«: Die »Weiße Rose« und ihre Wirkung in der Nachkriegszeit, Paderborn 2000; Michaela Ellmann, Hans Lukaschek im Kreisauer Kreis. Verfassungsrechtliche und verfassungspolitische Beiträge zu den Plänen des Kreisauer Kreises für einen Neuaufbau Deutschlands, Paderborn 2000; Frank Schindler, Paulus van Husen im Kreisauer Kreis. Verfassungsrechtliche und verfassungspolitische Beiträge zu den Plänen der Kreisauer für einen Neuaufbau Deutschlands, Paderborn 1996; Christina M. Förster, Der Harnier-Kreis. Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Bayern, Paderborn 1996.

[57] Hans Günter Hockerts, Die Sittlichkeitsprozesse gegen katholische Ordensangehörige und Priester 1936/1937, Mainz 1971.

– Ders., Die Goebbels-Tagebücher 1932–1941. Eine neue Hauptquelle zur Erforschung der nationalsozialistischen Kirchenpolitik, in: Politik und Konfession. Festschrift für Konrad Repgen zum 60. Geburtstag, hrsg. v. Dieter Albrecht u. a., Berlin 1983, S. 359–392.

[58] Heike Kreutzer, Das Reichskirchenministerium im Gefüge der nationalsozialistischen Herrschaft, Düsseldorf 2000.

[59] Wolfgang Dierker, Himmlers Glaubenskrieger. Der Sicherheitsdienst der SS und seine Religionspolitik 1933–1941, Paderborn 2002.

[60] Vgl. die Literaturberichte von Thomas Kühne:

– Der nationalsozialistische Vernichtungskrieg und die »ganz normalen« Deutschen. Forschungsprobleme und Forschungstendenzen der Gesellschaftsgeschichte des Zweiten Weltkrieges. Erster Teil, in: Archiv für Sozialgeschichte 39 (1999), S. 580–662.

– Ders., Der nationalsozialistische Vernichtungskrieg und die »ganz normalen« Deutschen. Forschungsprobleme und Forschungstendenzen der Gesellschaftsgeschichte des Zweiten Weltkrieges. Zweiter Teil, in: Archiv für Sozialgeschichte 40 (2000), S. 440–486.

Hans Günter Hockerts, Ausblick: Kirche im Krieg. Aspekte eines Forschungsfelds, in: Peter Pfister (Hrsg.), Katholische Kirche und Zwangsarbeit. Stand und Perspektiven der Forschung, München 2001, S. 47–55.

[61] Auf der Pressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz vom 29. August 2000 wurde zwischen verschiedenen Gruppen von Zwangsarbeitern, für die z. B. rechtlich ganz unterschiedliche Bedingungen galten, genau unterschieden: Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge, Strafgefangene, »Arbeitsjuden«, zunächst freiwillige, später zwangsrekrutierte Zivilarbeiter aus 26 Ländern: Vgl. Pressemitteilungen, S. 3f. und Spoerer (Anm. 9), S. 35–115. Siehe auch Anm. 21.

[62] Annette Schäfer, Zwangsarbeit in den Kommunen. »Ausländereinsatz« in Württemberg 1939–1945, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 49, 2001, S. 53–75.

[63] Vgl. Siegmund Bulla, Das Schicksal der schlesischen Männerklöster während des Dritten Reiches und in den Jahren 1945/46, Sigmaringen 1991; Thomas Mengel, Das Schicksal der schlesischen Frauenklöster während des Dritten Reiches und 1945/1946, Köln – Wien 1986.

Siehe auch Joachim Köhler, Die Suche nach Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in kirchlichen Institutionen in den ehemaligen deutschen Ostgebieten, in: Barwig, Bauer, Hummel (Anm. 9), S. 239–247.

[64] Vgl. z. B. die Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung vom 15. Oktober 1938 (Notdienstverordnung), RGBl. 1938 I, Nr. 170, S. 1441–1443; Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung vom 13. Februar 1939, RGBl. 1939 I, Nr. 25, S. 206f.; Gesetz über Sachleistungen für Reichsaufgaben (Reichsleistungsgesetz) vom 1. September 1939, RGBl. 1939 I, Nr. 166, S. 1645–1654.

Zum Text des Zusatzabkommens vgl. Joseph Listl (Hrsg.), Die Konkordate und Kirchenverträge in der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 1, Berlin 1987, S. 60f.

[65] P. Jonathan Düring, Wir weichen nur der Gewalt. Die Mönche von Münsterschwarzach im Dritten Reich, Münsterschwarzach 1997; Leo Weber (Hrsg.), Kloster Benediktbeuern. Gegenwart und Geschichte. Historisch-Kunsthistorische Festschrift zum Fünfzigjährigen Jubiläum der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern, Benediktbeuern 1981, S. 24–27; Laurentius Koch, »Ein erträgliches, unerträgliches Leben«. Kloster Ettal und die »Zwangsarbeiter« im II. Weltkrieg, in: Barwig, Bauer, Hummel (Anm. 9), S. 163–170.

Siehe auch: Markus Leniger, »Heim ins Reich?« Das Amt XI und die Umsiedlerlager der Volksdeutschen Mittelstelle, 1939–1945, in: Wolf Gruner, Armin Nolzen (Hrsg.), »Bürokratien«. Initiative und Effizienz, Berlin 2001, S. 81–109.

[66] Heinz Hürten, »Endlösung« für den Katholizismus? Das nationalsozialistische Regime und seine Zukunftspläne gegenüber der Kirche, in: Stimmen der Zeit 203 (1985), S. 534–546; ders., Katholische Kirche und nationalsozialistischer Krieg, in: Martin Broszat, Klaus Schwabe (Hrsg.), Die deutschen Eliten und der Weg in den Zweiten Weltkrieg, München 1989, S. 135–179; Dierker, Himmlers Glaubenskrieger (Anm. 59). Vgl. auch Walter Adolph, Unveröffentlichte Bormann-Akten über den Kirchenkampf, in: Wichmann-Jahrbuch 1953, S. 125–151.

Karl Siepen, Vermögensrecht klösterlicher Verbände, Paderborn 1963.

Vgl. auch die Hinweise bei K. J. Volkmann, Die Rechtsprechung staatlicher Gerichte in Kirchensachen 1933–1945, Mainz 1978.

[67] Vgl. Horst W. Heitzer, Deutscher Katholizismus und »Bolschewismusgefahr« bis 33, in: Historisches Jahrbuch 113 (1993), S. 355–387; Matthias Pape, Erzbischof Lorenz Jaeger von Paderborn im Kampf gegen den antichristlichen Bolschewismus, in: Menschen, Ideen, Ereignisse in der Mitte Europas. Festschrift für Rudolf Lill zum 65. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Altgeld / Michael Kißener / Joachim Scholtyseck, Konstanz 1999, S. 145–169.

[68] Vgl. Olaf Blaschke, Die Anatomie des katholischen Antisemitismus. Eine Einladung zum internationalen Vergleich, in: Olaf Blaschke, Aram Mattioli (Hrsg.), Katholischer Antisemitismus im 19. Jahrhundert. Ursachen und Traditionen im internationalen Vergleich, Zürich 2000, S. 3–54; Ders., Die »Reichsprogromnacht« und die Haltung von katholischer Bevölkerung und Kirche. Mentalitätsgeschichte als Schlüssel zu einem neuen Verständnis, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 52 (2000), S. 47–74. Deutlich abweichend in Terminologie, Befund und Bewertung die Studie von Urs Altermatt, Katholizismus und Antisemitismus. Mentalitäten, Kontinuitäten, Ambivalenzen. Zur Kulturgeschichte der Schweiz 1918–1945, Frauenfeld – Stuttgart – Wien 1999.

[69] Werner K. Blessing, »Deutschland in Not, wir im Glauben ...«. Kirche und Kirchenvolk in einer katholischen Region 1933–1939, in: Martin Broszat (Hrsg.), Von Stalingrad zur Währungsreform. Zur Sozialgeschichte des Umbruchs in Deutschland, München 1989, S. 3–111.

[70] Vgl. Wolfgang Tischner, Katholische Kirche in der SBZ/DDR 1945–1951. Die Formierung einer Subgesellschaft im entstehenden sozialistischen Staat, Paderborn 2001.

[71] Mit der Frage des »Klostersturms« und der Geschichte kirchlicher Einrichtungen im Zweiten Weltkrieg befaßt sich die Dissertation von Annette Huth, die zur Zeit an der Universität Leipzig entsteht.

[72] Vgl. Hans-Jürgen Brandt (Hrsg.), Priester in Uniform. Seelsorger, Ordensleute und Theologen als Soldaten im Zweiten Weltkrieg, Augsburg 1994; ders. und Katholisches Militärbischofsamt (Hrsg.), Christen im Krieg. Katholische Soldaten, Ärzte und Krankenschwestern im Zweiten Weltkrieg, München 2001.

[73] Vgl. Dierker, Himmlers Glaubenskrieger (Anm. 59); ein einschlägiger Aufsatz von Kevin Spicer, Gespaltene Loyalität: Braune Priester im Dritten Reich, ist für das Historische Jahrbuch 2002 angekündigt.

[74] John Cornwell, Pius XII. Der Papst, der geschwiegen hat, München 1999 (Originalausgabe: Hitler’s Pope. The secret history of Pius XII., London 1999).

[75] Der ohne Absprache im Oktober 2000 im Internet veröffentlichte, vertrauliche Zwischenbericht einer Internationalen Katholisch-Jüdischen Historikerkommission (»The Vatican and the Holocaust: A Preliminary Report«) liegt inzwischen auch in einer auszugsweisen deutschen Übersetzung vor: »Der Vatikan und der Holocaust«, in: Freiburger Rundbrief N.F. 8 (2001), S. 162–173.

Zum Stand der Diskussion vgl. zusammenfassend: Konrad Repgen, Im Haus des Geheimarchivs sind viele Wohnungen. Neue Hintergründe eines Zerwürfnisses: Zum Scheitern der jüdisch -katholischen Historikerkommission über die Rolle von Papst Pius XII., in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. September 2001.

[76] Von den zahlreichen weiteren Veröffentlichungen aus jüngster Zeit seien beispielhaft genannt: Pierre Blet, Papst Pius XII. und der Zweite Weltkrieg. Aus den Akten des Vatikans, Paderborn 22001 (franz. Originalausgabe 1997; italienische und englische Übersetzungen); Thomas Brechenmacher, Der Dichter als Fallensteller. Hochhuths Stellvertreter und die Ohnmacht des Faktischen. Versuch über die Mechanismen einer Geschichtsdebatte, in: Michael Wolffsohn, Thomas Brechenmacher (Hrsg.), Geschichte als Falle: Deutschland und die jüdische Welt, Neuried 2001, S. 217–257; Michael F. Feldkamp, Pius XII. und Deutschland, Göttingen 2000; Heinz Hürten, Pius XII. und die Juden (Kirche und Gesellschaft, Nr. 271), Köln 2000; Karl-Joseph Hummel, Überzogene Anklage. Anmerkungen zur neueren Diskussion über Pius XII., in: Herder Korrespondenz 54 (2000), S. 129–135; Hans Jansen, De zwijgende paus? Protest van Pius XII en zijn medewerkers tegen de jodenvervolging in Europa, Kok Kampen 2000; Margherita Marchioni, Pio XII e gli ebrei, Rom 2000; Giovanni Miccoli, I dilemmi e il silenzi di Pio XII, Mailand 2000; Michael Phayer, The Catholic church and the Holocaust, 1930–1965, Indiana University Press 2001; Ronald Rychlak, Hitler, the War and the Pope, Genesis Press 2000; José M. Sánchez, Pius XII. and the Holocaust: understanding the controversy, Washington D.C. 2002; Andrea Tornielli, Pio XII, il Papa degli ebrei, Casale/Monferrato 2001.

[77] Vgl. Ulrich Reusch, Motive, Ziele und Grenzen vatikanischer Friedenspolitik im Zweiten Weltkrieg, in: Rudolf Lill (Hrsg.), Deutschland-Italien 1943–1945. Aspekte einer Entzweiung, Tübingen 1992, S. 74–94.

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